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Klangwelt der Posaune ausgelotet
Das Südwestdeutsche Kammerorchester spannte im Pforzheimer
KongreßCentrum den Bogen von Mozart zu Genzmer
PFORZHEIM.
Mit ihren Kompositionen haben Joseph Gabriel Rheinberger und
Harald Genzmer kaum etwas miteinander gemein.
Dennoch zeigten sich bei der Gegenüberstellung der beiden Komponisten im
Abonnementkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters im
Pforzheimer CongreßCentrum manche Gemeinsamkeiten. Weniger im direkten
musikalischen Ausdruck denn in der ästhetischen Haltung der beiden zum
Komponieren, aber auch an der Stellung in ihren Zeiten. Der aus Liechtenstein
stammende, in München ausgebildete und später selbst lehrende Rheinberger,
dort 1901 auch gestorben, und der an Hindemith geschulte Genzmer, der
inzwischen 92 Jahre alt ist, standen abseits der kompositorischen Ströme ihrer
Zeit. Rheinberger war der dominanten Wagnerrichtung abhold, Genzmer
verweigerte sich der Avantgarde.
Ihre Musik ist von hoher handwerklicher Souveränität, von Spielbarkeit
einerseits, von Verständlichkeit andererseits bestimmt. Und beide verfügen
über ein weitgespanntes Ouevre, das aber nur partiell im Konzertleben eine
Rolle spielt. Bei Rheinberger sind es vor allem die Orgelwerke und
gelegentlich, wie auch schon in der Goldstadt, wird das Oratorium "Der Stern
von Bethlehem" aufgeführt. Bei Genzmer dominieren die unterschiedlichsten
Werke für sonst kaum bedachte Instrumente, auch hier eine Parallele zum
Schaffen Hindemiths, die neben einem weiten Spektrum von sinfonischen
Werken und Konzerten zu Buche schlagen.
Gediegenheit des Ausdrucks und hohe Satzkunst prägte denn auch
Rheinbergers Streichquintett a-Moll op.82, dem sich Vladislav Czarnecki und
sein aufmerksam agierendes Orchester mit Sinn für subtile Klangfarben
näherten. Transparent, gelegentlich aber etwas behäbig musizierten die
Streicher, bei denen im Finale die Geigen nicht immer sattelfest in Sachen
Intonation waren.
Dass Genzmers Konzert für Posaune und Orchester von 1999 dagegen
weitaus einfallsreicher und musikalisch vielschichtiger wirkte, war vor allem ein
Verdienst von Armin Rosin, dem Genzmer sein definitiv letztes Werk "auf die
Lippen" geschrieben hat. Welch flexible Töne Rosin der Posaune entlocken
kann, ist aller Begeisterung wert. In dem fünfsätzigen Konzert finden sich
Momente der "Jazz-Klage" ("Tranquillo") oder in dem dem Solisten allein
gewidmeten vierten Satz eine Tour de Force des Posaunenspiels, bei dem
Rosin alle virtuosen Register zog. Immer wieder gelangen auch
bemerkenswerte Korrespondenzen mit den nun das SWDKO verstärkenden
Bläsern (Hörner, Oboen, Flöte und Fagotte).
Unter der sicheren Leitung von Czarnecki zeigten sich seine Streicher auch
den rhythmischen Verschiebungen des Konzertes gewachsen. Grundsätzlich
problematisch ist es aber, dieses Konzert in der kleinen Streicherbesetzung
des SWDKO aufzuführen, was im CongreßCentrum zu manchen
Ungleichgewichtungen von Streichern und Bläsern führte. In der
Uraufführungskritik des "Mannheimer Morgen" wurde besonders auf die große
Streicherbesetzung der Staatsphilharmonie Rheinlandpfalz hingewiesen, die
die Uraufführung musizierte ...
Nach der Pause bewegten sich Czarnecki und seine Musiker auf bekannterem
Terrain. Mozarts g-Moll Sinfonie KV 550 fand eine gelöste, fein abgestufte
Interpretation, die dramatischen Akzente wie in der Durchführung des Allegro
moderato nicht in den Vordergrund rückte. Czarnecki gab den Gast-Bläsern
reichlich Gelegenheit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. So stand hier eine
apolinische Haltung, wie sie schon Robert Schumann für die g-Moll Sinfonie
anführte, im Mittelpunkt. Instrumentale Sicherheit, nur gelegentlich störten
Schärfen in den hohen Lagen der Streicher, und der Überblick des
Chefdirigenten des Südwestdeutschen sorgten für einen ansprechenden und
anspruchsvollen Konzertausklang. Thomas Weiss
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